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Ökonomie und Bildung

3.1.02 Mit Kennzahlen an die Spitze – Professionell Managen in der Wasserwirtschaft

In der Wasserversorgung sind Qualität, Versorgungssicherheit, Kundenservice, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit wesentliche Zielgrößen. Um ihre Leistungsfähigkeit in diesen Bereichen zu steigern, setzt die Wasserwirtschaft verstärkt auf Kennzahlen – ein betriebswirtschaftliches Instrument, das die Industrie bereits erfolgreich nutzt. Das IWW Rheinisch-Westfälische Institut für Wasserforschung hat ein Kennzahlensystem erarbeitet, das sich mittlerweile zum Branchenstandard entwickelt hat. Es basiert auf einem Modell der International Water Association (IWA) und unterstützt die Prozessanalyse der Wasserproduktion und die Betrachtung von Nachhaltigkeitsaspekten der Wasserversorgung.

Um alle Kostensenkungspotenziale auszuschöpfen und mögliche Optimierungspotenziale zu identifizieren, benötigen Unternehmen der Wasserwirtschaft eine geeignete Datenbasis. Immer mehr dieser Betriebe setzen deshalb auf Kennzahlensysteme, denn diese liefern belastbare Informationen für unternehmerische Entscheidungen, lassen sich aber auch für Benchmarkings, also Vergleiche mit anderen Betrieben der Branche, nutzen. Der Geschäftsführung ist es damit möglich festzustellen, wie sich der Betrieb entwickelt hat, wo er mehr leistet als Wettbewerber und wo Verbesserungsbedarf besteht.

Ziel des vom IWW durchgeführten und vom BMBF geförderten Projekts „Kennzahlen für die Wasserversorgung: Feldtest des Kennzahlensystems der IWA“ war es, in Übereinstimmung mit den internationalen Standards ein Kennzahlensystem für die deutsche Wasserwirtschaft zu schaffen und erproben zu lassen. 14 Betriebe schlossen sich der Projektgruppe an und erklärten sich bereit, das System über drei Erhebungsperioden hinweg zu testen und weiterzuentwickeln.

Kennzahlensystem der IWA

Das Kennzahlensystem der IWA hat acht wesentliche Eigenschaften:

  • Alle Aufgaben eines Wasserversorgers sind enthalten, gegliedert nach den Bereichen Technik und Verwaltung.
  • Der hierarchische Aufbau des Systems erlaubt es, alle Kennzahlen miteinander zu verknüpfen – von Haupt- über Teil- und Einzelaufgaben bis hin zu einzelnen Prozessen, mit steigendem Detaillierungsgrad.

Von hochaggregierten Leistungskennzahlen zur Beurteilung des Gesamtunternehmens bis hin zu detaillierten Prozesskennzahlen

Von hochaggregierten Leistungskennzahlen zur Beurteilung des Gesamtunternehmens bis hin zu detaillierten Prozesskennzahlen
Von hochaggregierten Leistungskennzahlen zur Beurteilung des Gesamtunternehmens bis hin zu detaillierten Prozesskennzahlen
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  • Alle Begriffe, Ableitungen und Datenstrukturen (z. B. Finanzstruktur) sind eindeutig definiert.
  • Im Datenmodell werden alle eingegebenen Informationen daraufhin bewertet, wie zuverlässig und genau sie sind.
  • Je nach Nutzergruppe (z. B. Unternehmen, Behörden, Fachverbände, Banken) lassen sich das Kennzahlensystem und die Gewichtung der Kennzahlen flexibel an verschiedene Fragestellungen anpassen.
  • Das System ist für die EDV-Bearbeitung konzipiert – eine zwingende Voraussetzung für den kontinuierlichen Einsatz von Kennzahlen als Managementwerkzeug. So tun sich Unternehmen leichter, wenn sie Datenvariablen erheben und Kennzahlenergebnisse berechnen und auswerten.
  • Um die Verantwortlichen in den Betrieben beim Interpretieren der Kennzahlenergebnisse zu unterstützen, stellt das deutschsprachige IWA-Handbuch Kontextinformationen zu Unternehmensstruktur (z. B. Größe, Rechtsform, Managementsysteme), Versorgungssystem (z. B. Schutzgebiete, Förderbrunnen, Wasserwerke, Rohrnetzdaten) und Versorgungsgebiet (z. B. Topografie, Bodenbeschaffenheit) bereit.
  • Den fünf Leistungsmerkmalen der Trinkwasserversorgung – Sicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit der Versorgung, Kundenservice und Wirtschaftlichkeit – sind insgesamt 55 Kennzahlen und 19 Kontextinformationen zugeordnet.

Vielfältiger Nutzen

Kontinuierliche Kennzahlenanalysen und -vergleiche helfen nicht nur dabei, Schwachstellen im Unternehmen zu erkennen und zu beheben. Nach den Erfahrungen der am Projekt beteiligten Betriebe sind damit noch weitere Nutzenaspekte verbunden:

  • Mit dem System gehen Aufbau und Pflege eines strukturierten Datenmodells einher, das die Verhältnisse im Unternehmen widerspiegelt.
  • Aufgaben, Arbeitsabläufe und Ergebnisse für alle Leistungsmerkmale werden transparent.
  • Das System ermöglicht es, zielorientierte Vereinbarungen mit den verantwortlichen Unternehmensbereichen zu treffen, was Kostenbewusstsein und Effizienz bei Erhaltung von Qualität und Sicherheit fördert.
  • Die Entscheidungsträger können besser beurteilen, wo Kooperationen mit externen Partnern (z. B. Versorgungsunternehmen, Dienstleistern) sinnvoll sind, die bestimmte Leistungen gegebenenfalls effizienter und besser erbringen können.
  • Erbrachte Leistungen und behobene Defizite können für die Öffentlichkeit transparent dargestellt werden.

Praxisnah und erfolgreich

Das praxisnahe und international kompatible IWW-Kennzahlensystem mit den spezifischen Erweiterungen erfährt mittlerweile eine hohe Akzeptanz in der Praxis und ist Branchenstandard in der deutschen Wasserversorgung. In zahlreichen Benchmarking-Projekten im deutschsprachigen Raum haben inzwischen mehr als 500 Wasserversorgungsunternehmen damit gearbeitet.

Leitungen und Armaturen im Wasserwerk (Filterablauf und Spülwasserverteilung)

Leitungen und Armaturen im Wasserwerk (Filterablauf und Spülwasserverteilung)
Leitungen und Armaturen im Wasserwerk (Filterablauf und Spülwasserverteilung)
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Brunnenstube und Turbine in einem Wasserwerk

Brunnenstube und Turbine in einem Wasserwerk
Brunnenstube und Turbine in einem Wasserwerk
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Auf Grundlage der verbreiteten Anwendung wurde das IWA-System zum Schwerpunkt „Nachhaltigkeit der Wasserversorgung“ in einem gemeinsamen Folgevorhaben des IWW, des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) und der Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung (ARSU) erweitert. Im Rahmen einer detaillierten Effizienz- und Leistungsuntersuchung der betrieblichen Prozesse der Wasserproduktion war das Projekt zudem Ausgangspunkt für „Entwicklung und Praxistest von Prozesskennzahlen für die Wasserwirtschaft, -gewinnung und -aufbereitung“ durch das IWW und der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

Aus dem Projekt ist unter anderem folgende Veröffentlichung hervorgegangen: „Kennzahlen für Benchmarking in der Wasserversorgung. Handbuch zur erweiterten deutschen Fassung des IWA-Kennzahlensystems mit Definitionen, Erklärungsfaktoren und Interpretationshilfen“ (wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH, Bonn 2005 – ISBN 3-89554-152-4)

IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung gemeinnützige GmbH
Dr.-Ing. Wolf Merkel
Technischer Geschäftsführer
Moritzstr. 26
45476 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 02 08/4 03 03-0
Fax: 02 08/4 03 03-80
E-Mail: info@iww-online.de
Internet: www.iww-online.de
Förderkennzeichen: 02WT0224
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