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Technologie

2.5.05 Zum Schutz des Weltnaturerbes Ha Long Bucht – Deutsches Know How für die Bergbausanierung

Für Vietnam ist Steinkohle ein wichtiger Energieträger. Ihr Abbau führt jedoch zu erheblichen Umweltschäden. Ein Kooperationsprojekt macht Technologien und Erfahrungen des deutschen Kohlenbergbaus für Vietnam nutzbar, um den Bergbau in Vietnam umweltverträglicher gestalten zu können. Welche Techniken und Verfahren sich an die örtlichen Verhältnisse anpassen lassen, klären Wissenschaftler und Ingenieure beider Länder vor Ort.

Rund 95 Prozent (45 Mio. t/a) der Steinkohlenförderung Vietnams stammen aus der Provinz Quang Ninh im Nordosten des Landes. Doch die Provinz beherbergt nicht nur das bedeutendste Kohlenrevier Vietnams, sondern auch eine einzigartige Naturlandschaft: die Ha Long-Bucht. Seit 1994 steht die Bucht mit ihren zahllosen Kalksteinfelsen und kleinen Inseln auf der UNESCO-Liste des Weltnaturerbes, bei Touristen ist sie ein beliebtes Ferienziel. Die Regierung Vietnams will die touristische Anziehungskraft von Ha Long nutzen und die Zahl der Besucher weiter erhöhen. Auch seine Steinkohlenförderung hat Vietnam in jüngster Zeit deutlich ausgeweitet – und damit die Umweltschäden vor Ort. Die fehlende Vegetation auf Abraumhalden und Altbergbauflächen sowie der Kohlentransport in offenen Lastwagen zu zu Häfen und Kraftwerken führen zu einer erheblichen Staubbelastung – viele Ortschaften und ganze Landstriche sind vom Staub grau eingefärbt.

Gruben- und Sickerwasser gelangt in die Bucht

Das Gruben- und Sickerwasser aus den Abraumhalden verunreinigt die Bäche und Flüsse im Abbaugebiet, fließt in die Ha Long-Bucht und gefährdet oder schädigt die einzigartige und sehr empfindliche Küsten- und Meeresfauna und -flora. Die in der Regenzeit großflächige Erosion der unbewachsenen Bergbauflächen trägt dazu in hohem Maße bei, indem sie kohlehaltiges Feinmaterial in die Bucht schwemmt. Ein weiteres Problem ergibt sich aufgrund fehlender Flächen für Abraumhalden: Die Halden werden meist platzsparend sehr steil und oft in unmittelbarer Nähe zu Siedlungen aufgeschüttet, in der Folge kann es zu Rutschungen mit unmittelbarer Gefahr für die Anwohner kommen.

Die Ha Long-Bucht gehört zum Weltnaturerbe

Die Ha Long-Bucht gehört zum Weltnaturerbe
Die Ha Long-Bucht gehört zum Weltnaturerbe
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Um die negativen Folgen beziehungsweise Risiken des Kohlenbergbaus für Mensch und Natur zu vermeiden oder wenigstens zu verringern, sind dringend Sanierungsmaßnahmen notwendig. Doch wie lässt sich das deutsche Know-how im Sanierungsbergbau an die Verhältnisse in Vietnam anpassen? Antworten auf diese Frage erarbeitet der vom BMBF geförderte deutsch-vietnamesische Forschungsverbund „RAME (Research Association Mining and Environment) in Vietnam, Provinz Quang Ninh“ unter Leitung des Lehrstuhls für Umwelttechnik und Ökologie der Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Harro Stolpe), mit einer Laufzeit von 2007 bis 2012. Beteiligt sind ferner die RWTH Aachen (Lehrstuhl für Bergbaukunde I), das Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung (UFZ), die Gesellschaft für Consulting, Business und Management (CBM) mbH (Aachen), Brenk Systemplanung GmbH (Aachen), LMBV International GmbH, eta AG engineering (Cottbus), das GFI Grundwasserforschungsinstitut GmbH (Dresden); die BioPlanta GmbH (Leipzig) sowie die DHI-WASY GmbH (Berlin). Das Projekt findet in enger Zusammenarbeit mit der Vietnam National Coal-Mineral Industries Holding Coopration Limited (VINACOMIN) statt, sie stellt dem Forschungsverbund in ihrer Hauptverwaltung in Hanoi ein Büro zur Verfügung. Die deutschen Partner entwickeln die technischen Konzepte, die VINACOMIN an den Beispielstandorten in Pilotanlagen umsetzt.

In der ersten Projektphase (2005 bis 2007) ging es darum, Probleme zu identifizieren, einzugrenzen und zu beschreiben sowie geeignete Beispielstandorte für Untersuchungen zur Anpassung deutscher Technologie zu finden (Thema: Bergbau und Umwelt in Vietnam, Problemanalyse und Lösungsstrategien). Seit 2007 entwickeln die Projektpartner Konzepte für ausgesuchte Standorte: die Halde Chinh Bac Nui Beo (Stabilisierung und Rekultivierung), den Tiefbaustandort Vang Danh (Abwasserbehandlung), das Bergbaugebiet Dong Trieu (Behandlung von bergbaubeeinflussten Wässern in einem passiven Wasserreinigungssystem) sowie das Bergbaugebiet Hon Gai (Umweltmanagement).

Pilotanlage und Experimente

Nachdem das Projektteam im ersten Schritt die ökologischen Folgen des Bergbaus erfasst hatte, erstellte es – abgestimmt mit VINACOMIN – das Design einer angepassten Grubenwasserreinigungsanlage, die sowohl die feinen Kohlenpartikel als auch die hohen Eisen- und Mangankonzentrationen beseitigt. Auf der zu stabilisierenden Halde finden umfangreiche Feldexperimente etwa zur Schütttechnologie statt. Die Pflanzexperimente zur Rekultivierung wurden nach Auswahl geeigneter lokaler Arten ebenfalls auf dieser Halde eingerichtet und werden nun regelmäßig untersucht. Auf Grundlage der für Hon Gai erhobenen Daten wird ein Umweltinformationssystem aufgebaut, das dem Umweltmanagement und der Umweltberichterstattung von VINACOMIN dient. Aufbauend auf den in den Pilotanlagen und Experimenten gewonnenen Erkenntnissen soll zu Projektende ein Handbuch für die vietnamesischen Umweltingenieure vorliegen.

Vietnamesische Experten geschult

Eine Siedlung vor einer Bergbauhalde in Quang Ninh

Eine Siedlung vor einer Bergbauhalde in Quang Ninh
Eine Siedlung vor einer Bergbauhalde in Quang Ninh
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Eine wichtige Projektaufgabe besteht darin, Kontakte zu vietnamesischen Forschungsinstituten, Ministerien, Behörden und Unternehmen aufzubauen und zu pflegen. Sehr gute Kontakte bestehen inzwischen zu Wissenschaftlern der vietnamesischen Akademie für Wissenschaft und Technik (VAST) und der Universität für Bergbau und Geologie (UMG) in Hanoi. Diese wissenschaftliche Zusammenarbeit bereitet auch den Weg für eine spätere wirtschaftliche Kooperation deutscher und vietnamesischer Unternehmen.

Akazienpflanzungen von VINACOMIN

Akazienpflanzungen von VINACOMIN
Akazienpflanzungen von VINACOMIN
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Unter dem Aspekt Technologietransfer sind auch die Maßnahmen zum Capacity Building des Verbundprojekts zu sehen. In Vietnam fanden einige ein- bis dreiwöchigen Kurse für Mitarbeiter von VINACOMIN statt, die Bergbauexperten aus Deutschland zu den Themen Staub, Haldengestaltung und Grubenwasser durchführten. Ferner wurden technische Exkursionen nach Deutschland organisiert, um den Entscheidungsträgern von VINACOMIN Bergbaustandorte mit beispielhaften Maßnahmen zur Renaturierung und Rekultivierung zu zeigen.

Projekt-Website www.vinacomin.vn

Ruhr-Universität Bochum
Umwelttechnik und Ökologie im Bauwesen

Prof. Dr. Harro Stolpe
Universitätsstraße 150
44780 Bochum
Tel.: 02 34/32-2 79 95
Fax: 02 34/32-1 47 01
E-Mail: harro.stolpe@ruhr-uni-bochum.de
Internet: www.ruhr-uni-bochum.de/ecology/


Research Association Mining and Environment in Vietnam (RAME)
Vietnam National Coal & Mineral Industries Group (VINACOMIN)

Dr.-Ing. Katrin Brömme (CEO)
226 Le Duan
Ha Noi, Viet Nam
Tel.: 00 84/4 35 18 83 07
Fax: 00 84/4 35 18 83 41
E-Mail: katrin.broemme@rub.de
Internet: www.rame.vn

Förderkennzeichen: 02WB0689 (Vorprojekt), 02WB0915, 02WB0916, 02WB0917, 02WB0919 (Verbundkoordination), 02WB0957, 02WB0958, 02WB0964, 02WB0965, 02WB1017, 02WB1018, 02WB1019, 02WB1250, 02WB1251
Water as a resource
Schnellübersicht
Projekt-Website

www.vinacomin.vn