Startseite | Inhaltsverzeichnis | Impressum | Datenschutz | English
Technologie

2.1.06 Vietnam – Sauberes Wasser für das Mekong-Delta

Obwohl es in Vietnam ausgiebig regnet, mangelt es in vielen Regionen an sauberem Trinkwasser ebenso wie an Nutzwasser für die Landwirtschaft. Eine dieser Regionen ist das Mekong-Delta: Ein deutsch-vietnamesisches Projekt entwickelt für die dortigen Verhältnisse Lösungen für die Wasserver- und -entsorgung. Dabei gilt es, nicht nur Trinkwasser für die Menschen zu gewinnen, sondern aus der Abwasserbehandlung auch verwertbare Produkte für die Landwirtschaft zu gewinnen, beispielsweise Kompost und Biogas.

Mit rund 17 Millionen Menschen lebt rund ein Fünftel der Vietnamesen im Mekong-Delta, das im Süden des Landes liegt – die meisten arbeiten in Landwirtschaft und Fischzucht. In den Städten hat etwa die Hälfte der Einwohner Zugang zu einer geregelten Wasserver- und Abwasserentsorgung, auf dem Land sind es nur etwa zehn Prozent. Weil es nur wenige Kläranlagen gibt, gelangt ein großer Teil der Abwässer unbehandelt in die Flüsse, in ländlichen Regionen oft auch in Fischteiche.

Aufgrund des steigenden Wasserverbrauchs sinkt der Grundwasserspiegel im Mekong-Delta. In den küstennahen Regionen dringt häufig Meerwasser ins Grundwasser ein, steigende Salzkonzentrationen sind die Folge. Der größte Wasserverbraucher ist die Landwirtschaft: Rund 90 Prozent des Wassers verwenden die Bauern für den Reisanbau; trotz der ausgiebigen Niederschläge sind die Reisfelder zusätzlich intensiv zu bewässern.

Organischer Dünger aus Schmutzwasser

Um den Ertrag ihrer Reisfelder zu steigern, setzen die Bauern große Mengen teuren Mineraldüngers ein. Dabei gäbe es günstigere und umweltverträglichere Möglichkeiten, den Böden Nährstoffe zuzuführen: menschliche Exkremente, die bisher das Wasser verschmutzen. Wie sich dies bewerkstelligen lässt, untersuchte das deutsch-vietnamesische Projekt „Schließen von landwirtschaftlichen Nährstoffkreisläufen über hygienisch unbedenkliche Substrate aus dezentralen Wasserwirtschaftssystemen im Mekong-Delta“ (SANSED). Beteiligt waren die Universitäten Bonn und Bochum, die vietnamesische Universität Can Tho sowie mehrere deutsche Unternehmen.

Dezentrale Anlagen sollen möglichst kostengünstig Trinkwasser aufbereiten und zugleich Abwasser so behandeln, dass Landwirte vor Ort die Schlämme und den Kompost nutzen können. Die rund 120.000 Tonnen Nitrat und 19.000 Tonnen Phosphor, die im Mekong-Delta jährlich anfallen, könnten im Idealfall so wieder umweltverträglich in die Stoffkreisläufe gelangen.

Biogasanlage in der Landwirtschaft

Biogasanlage in der Landwirtschaft
Biogasanlage in der Landwirtschaft
 Bild vergrößernzoom

Sieben Teilaspekte

Vor allem dezentrale Abwasserentsorgungs- und Wasserversorgungssysteme sind sinnvoll, die an die Strukturen vor Ort angepasst sind und auch das geringe Einkommen der Bevölkerung berücksichtigen. In der zweiten Phase wurden Demonstrationsanlagen errichtet und gemeinsam mit den vietnamesischen Partnern betrieben: SANSED will zeigen, dass sich die Kosten für den Bau und Betrieb der Anlagen durch den Verkauf der erzeugten Produkte (Biogas, Dünger, Kompost) refinanzieren lassen. SANSED hatte sieben Teilprojekte.

Biogas: Landesübliche Biogas-Anlagen, in denen Bakterien Abfälle zersetzen, produzieren zu wenig Gas oder lassen Überschüsse ungenutzt entweichen. In dem von SANSED verfolgten Ansatz zerlegen Pilze schwer abbaubare Polymere in Zucker, der die Bakterien zu stärkerer Aktivität anregt und so die Gasausbeute erhöht. Überschüssiges Gas kann in Strom umgewandelt oder in Flaschen abgefüllt werden.

Abwasserteilstrombehandlung: Als Modelle für die Abwasserreinigung installierte das Projektteam in zwei Studentenwohnheimen Toiletten, die das Abwasser von den Fäkalien trennen. Aus dem Urin und den Feststoffen ließ sich Dünger für die Landwirtschaft oder Biogas gewinnen. Krankheitserreger und organische Schmutzstoffe aus dem Gelbwasser wurden durch Trocknung an der Sonne beseitigt oder zumindest deutlich reduziert. Den Feststoffen zugefügte Regenwürmer wandelten das Substrat in Kompost um (Kaltrotte).

Anlage zur Trinkwasserversorgung

Anlage zur Trinkwasserversorgung
Anlage zur Trinkwasserversorgung
 Bild vergrößernzoom

Abwassersiebung/Bodenfiltration: Aus den Abwässern eines der Studentenwohnheime filterten Feinsiebe Feststoffe heraus. Das Wasser wurde anschließend über Bodenfilter weiter gereinigt, die Feststoffe kompostiert.

Trinkwasser aus Oberflächenwasser: Eine Anlage bereitete mit organischen Stoffen und Mikroorganismen belastetes Oberflächenwasser – unter anderem mittels Langsamsandfiltern und Sonnenlicht (UV-Desinfektion) – zur Wasserversorgung eines Studentenwohnheims auf.

Trinkwasser aus Grundwasser: Für rund 100 Haushalte optimierten die Wissenschaftler die Trinkwasserversorgung: Schnellsandfilter bereiten das stark eisenhaltige Grundwasser auf.

Natürliche Düngung in der Landwirtschaft

Natürliche Düngung in der Landwirtschaft
Natürliche Düngung in der Landwirtschaft
 Bild vergrößernzoom

Weiterbildung: Zahlreiche Bezirke der Stadt Can Tho werden zentral mit Trinkwasser versorgt, das sich allenfalls als Brauchwasser bezeichnen lässt. Zudem existiert eine Anlage, die Trinkwasser in Gebinde abfüllt. Für die Beschäftigten der Can Tho Water Supply and Sewerage Company erarbeitete das Projektteam ein spezielles Informations- und Trainingsprogramm.

Handlungsempfehlungen: Für einen Stadtteil von Can Tho, der bislang keine geregelte Wasserver- und -entsorgung hat, erstellte das Team zusammen mit dem örtlichen Versorgungsunternehmen eine exemplarische Machbarkeitsstudie: Sie zeigt, wo der Einsatz (de)zentraler Anlagen sinnvoll ist.

Prüfung der Übertragbarkeit

Auf Grundlage des Projekts SANSED sollte auch für andere infrastrukturschwache Regionen der Einsatz von dezentralen Abwasser- und Wasserversorgungssystemen geprüft werden.

Der SANSED-Abschlussbericht ist als Band 31 in der Reihe „Bonner Agrikulturchemische Reihe“ erschienen (kostenpflichtige Bestellungen unter www.ipe.uni-bonn.de/publikationen).

Weitere Informationen sind auf der Projekt-Website abrufbar.
Projekt-Website www.sansed.uni-bonn.de

Universität Bonn
INRES-Pflanzerernährung

Dr. Ute Arnold
Karlrobert Kreiten Straße 13
53115 Bonn
Tel 02 28/73 36 39
Fax 02 28/73 24 89
Internet: www.ipe.uni-bonn.de
Förderkennzeichen: 02WD0620
Water as a resource
Schnellübersicht
Projekt-Website

www.sansed.uni-bonn.de