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Technologie

2.1.04 Wasserrecycling in Hotels – Umbauten im laufenden Betrieb

Der Wasserverbrauch in Hotels und Pensionen ist je Person deutlich höher als in Privathaushalten: Durchschnittlich verbraucht ein Gast in deutschen Hotels rund 300 Liter Wasser täglich, das ist mehr als doppelt soviel wie in den eigenen vier Wänden. Sind auch noch Golfplätze und Schwimmbäder zu versorgen, kann der Verbrauch bis zu 1.000 Liter pro Übernachtungsgast und Tag betragen. Deutlich geringer könnte der Frischwasserbezug sein, wenn das in den Betrieben anfallende Grauwasser vor Ort aufbereitet wird. Ein Projekt zeigt, dass die entsprechenden Umbauten selbst im laufenden Betrieb möglich sind.

Wie sich „Produktionsintegrierte Umweltschutzmaßnahmen im Hotel- und Gaststättengewerbe unter besonderer Berücksichtigung vorhandener Bausubstanz“ umsetzen lassen, untersuchte das gleichnamige Verbundprojekt unter der Leitung des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft (ISA) der RWTH Aachen (Laufzeit: Juni 2006 bis Mai 2009). Im Mittelpunkt stand der Nachweis, dass sich auch mit marktüblichen Anlagen zur Betriebswasseraufbereitung der Verbrauch von Trinkwasser in Hotels deutlich reduzieren lässt und die Umbaumaßnahmen im laufenden Hotelbetrieb machbar sind.

Als Projektpartner gewann das ISA das 1981 gegründete Vier-Sterne „Hotel Am Kurpark“ in Bad Windsheim (Mittelfranken); es verfügt über 50 Gästezimmer mit 90 Betten, ein Restaurant mit rund 100 Plätzen sowie Tagungsräume und eine Sauna. Das Gros der Räumlichkeiten befindet sich im Haupthaus, 20 Gästezimmer und die Seminarräume sind in einem separaten Gebäude untergebracht (1992 errichtet, 1998 erweitert). Der Wasserverbrauch des Hotels ist in den Jahren 2001 bis 2007 deutlich gestiegen (siehe Abbildung).

Aufbereitungsanlage für Grauwasser

Die Aufbereitungsanlage für das Grauwasser installierte die Firma Hans Huber AG (Berching) im November 2008. Aufgrund der Bausubstanz erwies sich der Einbau der neuen Wasserleitungen als unerwartet schwierig, da sie in die bestehenden Leitungsschächte zu integrieren waren. Weil der Hotelbetrieb nicht unterbrochen werden sollte, wurden die Stemm- und Fliesenarbeiten auf das Notwendigste beschränkt. Während die Anbindung des Seminargebäudes innerhalb der zehn Tage dauernden Bauphase erfolgte, wurden die Arbeiten im Keller des Haupthauses und im Verbindungsschacht zwischen Haupt- und Seminargebäude außerhalb dieser Bauzeit durchgeführt. Insgesamt waren Leitungen für Grau- und Betriebswasser mit einer Länge von 460 Metern zu legen.

Entwicklung des Wasserverbrauchs 2001 bis 2007 im Hotel „Am Kurpark“

Entwicklung des Wasserverbrauchs 2001 bis 2007 im Hotel „Am Kurpark“
Entwicklung des Wasserverbrauchs 2001 bis 2007 im Hotel „Am Kurpark“
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Weitere Quellen eingebunden

Aufgrund des geringen spezifischen Grauwasseraufkommens der Gästezimmer (Dusche, Bad, Handwaschbecken) war es notwendig, weitere Grauwasserquellen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit an das Aufbereitungssystem anzuschließen. Darauf aufbauend teilte das ISA den Anlagenbetrieb zur Auswertung in drei Betriebsphasen ein.

Innerhalb der ersten Betriebsphase wurde ein Grauwasseraufkommen von 35 bis 130 Litern je Gast und Tag ermittelt, der Durchschnitt lag bei 52 Litern. Durch den Einbezug der Waschmaschine als Quelle ließ sich das mittlere gastspezifische Grauwasseraufkommen in der zweiten Betriebsphase auf 72 Liter je Gast und Tag steigern. In der dritten Betriebsphase konnte durch den Anschluss der Theke und der Gläser-Geschirrspülmaschine das spezifische Aufkommen schließlich auf durchschnittlich 82 Liter erhöht werden. Die Berücksichtigung weiterer Grauwasserquellen im Aufbereitungskonzept machte (bedingt durch den Anschluss der Theke und der Gläser-Geschirrspülmaschine) einen automatisierten Überschlussschlammabzug erforderlich.

Schema der Aufbereitungsanlage für Grauwasser im Hotel „Am Kurpark“

Schema der Aufbereitungsanlage für Grauwasser im Hotel „Am Kurpark“
Schema der Aufbereitungsanlage für Grauwasser im Hotel „Am Kurpark“
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Vergleich der chemisch-physikalischen und der mikrobiologischen Beschaffenheit von Grau- und Betriebswasser für die drei Betriebsphasen (Mittelwerte)

Vergleich der chemisch-physikalischen und der mikrobiologischen Beschaffenheit von Grau- und Betriebswasser für die drei Betriebsphasen (Mittelwerte)
Vergleich der chemisch-physikalischen und der mikrobiologischen Beschaffenheit von Grau- und Betriebswasser für die drei Betriebsphasen (Mittelwerte)
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Die Folgen des Anschlusses weiterer Grauwasserteilströme spiegeln sich in erhöhten Ablaufkonzentrationen: Traten innerhalb der Betriebsphase I im Weißwasser nur drei mikrobiologische Grenzwertüberschreitungen auf, führte der Anschluss weiterer Grauwasserquellen zu einer schlechteren mikrobiologischen Qualität des Weißwassers. Für einige mikrobiologische Parameter, bei denen die Ultrafiltrationsmembran (Ultrafiltration ) eine sichere Barriere ist (insbesondere für den Parameter E. coli), lassen sich die erhöhten Konzentrationen nur auf Wiederverkeimungseffekte innerhalb der Permeatleitung zurückführen. Durch Anpassung der Rezirkulationsrate ließ sich die geforderte hygienische Qualität des Weißwassers auch am Ende der Untersuchungen der Betriebsphase III einhalten (eine zusammenfassende Darstellung der Grauwasser- und Betriebswasserbeschaffenheit aller drei Betriebsphasen zeigt nebenstehende Abbildung).

Aus Grauwasser wird Betriebswasser

Das Abwasser aus den Duschen und Badewannen wird zu hochwertigem Betriebswasser aufbereitet, das hygienisch unbedenklich ist und den Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung entspricht. Das gewonnene Betriebswasser lässt sich für die WC-Spülung, die Vorwaschgänge der Geschirrspülmaschine sowie für Bewässerung und Reinigung nutzen.

Das Projekt hat gezeigt, dass sich Konzepte für das Wasserrecycling auch im laufenden Hotelbetrieb umsetzen lassen. Die erforderlichen baulichen Mehraufwendungen sind mitunter jedoch beträchtlich und erhöhen die Kosten. Wirtschaftlicher ist die Situation bei Neubauten oder im Zuge von allgemeinen Sanierungsmaßnahmen.

RWTH Aachen
Institut für Siedlungswasserwirtschaft

Prof. Johannes Pinnekamp
Mies-van-der-Rohe Straße 1
D-52074 Aachen
Tel.: 02 41/8 02 52 07
Fax: 02 41/8 02 22 85
E-Mail: sekretariat@isa.rwth-aachen.de
Internet: www.isa.rwth-aachen.de
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