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Ökologie

1.4 Gemeinsam gegen das Hochwasser – zielgerichtete Ansätze zur Risikoabwehr

Gemeinsam gegen das Hochwasser – Vielfältige Ansätze zur Risikoabwehr

Zerstörte Häuser, vernichtetes Vermögen, gefährdete Existenzen: Die Bewohner hochwassergefährdeter Gebiete müssen offenbar immer häufiger zusehen, wie das Wasser ihnen ihr Eigentum nimmt. Die Gefahr geht nicht nur von angeschwollenen Flüssen aus, die Dämme überspülen oder zerstören. Da der Grundwasserspiegel während eines Hochwassers ebenso steigt, sind auch Keller und die unterirdische Infrastruktur gefährdet. Es bedarf eines professionellen Risikomanagements, um die Gefahr für bewohnte und bewirtschaftete Gebiete zu vermindern.

Überschwemmungen gehören wie Niedrigwasser zur natürlichen Dynamik aller Flusslandschaften. Als Folge des weltweiten Klimawandels zeichnet sich in Mitteleuropa jedoch ein Trend zu meteorologischen Extremereignissen wie Dürren oder Starkregenereignissen ab. Somit ist auch mit einer Zunahme sogenannter „Jahrhundertfluten“ zu rechnen. Schon jetzt sind Hochwasserereignisse in Europa die am weitesten verbreitete Naturgefahr. Durch eine zunehmende Bodenversiegelung versickert immer weniger Niederschlagswasser. Der Verbau der Flussauen und die Kanalisierung der Gewässer bewirken zudem den Verlust natürlicher Rückhalteflächen. Dadurch steigt die Fließgeschwindigkeit bei Hochwasser, die Flutwellen ver- laufen höher, und die Schadenswahrscheinlichkeit nimmt zu. Auch das hohe Alter einiger Deiche stellt eine Gefährdung dar, weil Deichbrüche auftreten können.

Fachübergreifende Forschungsaktivitäten

In Zukunft sollen daher die Möglichkeiten verbessert werden, bedrohliche Situationen frühzeitig zu erkennen und Schäden zu reduzieren. Dazu bedarf es eines umfassenden Risikomanagements, im planerischen wie im operationellen Bereich. Die Forschung muss hierzu fachgebietsüber- greifende Untersuchungsansätze entwickeln, ihre Ergebnisse daraus vermitteln und deren Anwendbarkeit exemplarisch belegen. Um den Ergebnistransfer in die Praxis zu gewährleisten, bindet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in seine Forschungsprojekte zum Hochwasserschutz Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung ein. Neben Universitäten, Behörden von Bund, Ländern und Kommunen sowie Privatunternehmen sind Wasserverbände und Versicherungen an den Vorhaben beteiligt.

Schon vor den Flutkatastrophen an Oder und Elbe, verstärkt aber unter deren Eindruck, hat das BMBF Projekte im Bereich der Hochwasserforschung gefördert. Beispielhaft sind folgende vom BMBF geförderten Themenbereiche aufgeführt: Die akuten Schadstoffbelastungen durch das Elbehochwasser im August 2002 waren ebenso Gegen- stand von Untersuchungen (Projekt 1.4.01) wie auch eine Aufklärung der Folgen des noch lange nach der Elbeflut extrem hohen Grundwasserstands in Dresden anhand von Modellen (Projekte 1.4.02 und 1.4.05). Auch zur Überwachung und Stabilisierung von Deichen mit Dränelementen (Projekt 1.4.06) sowie mit sensorbasierten Geotextilien im Inneren (Projekt 1.4.07) konnten wichtige Erkenntnisse erlangt werden. Um im Extremfall das Eindringen von Hochwasser durch Fenster und Türen zu verhindern, haben Wissenschaftler des Sächsischen Textilforschungszentrums Chemnitz selbstdichtende Wassersperren entwickelt, die auch in alte Gebäude mit unebenen Wänden montiert und ebenso leicht wieder entfernt werden können (Projekt 1.4.07). Im Mittelpunkt des Projekts MULTISURE („Entwicklung multisequenzieller Vorsorgestrategien für grundhochwassergefährdete urbane Lebensräume“) stand die Frage, wie sich die Schadenspotenziale und Gefahren infolge eines schnell steigenden Grundwassers in urbanen Gebieten abschätzen lassen (Projekt 1.4.03).

Nachhaltiger Schutz vor Hochwasserereignissen

Im Jahr 2004 hat das BMBF den Hochwasserschutz zu einem Schwerpunkt in der Forschungsförderung ausgebaut. Die Fördermaßnahme „Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse“ (RIMAX, vgl. Projekt 1.4.06) hat seither Kompetenzen gebündelt und weiterentwickelt (www.rimax-hochwasser.de). In den Jahren 2005 bis 2010 wurden 38 Projekte mit insgesamt etwa 20 Millionen Euro gefördert. Ziel war es, drohende Hochwasserereignisse künftig früher zu erkennen und Schäden schneller und effektiver vorzubeugen. Damit leistete RIMAX einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Fünf-Punkte-Programms der Bundesregierung zum Hochwasserschutz und ist zugleich Teil ihrer High-Tech-Strategie. Mit der Fördermaßnahme RIMAX hat das BMBF außerdem schon frühzeitig eine Grundlage für die nationale Umsetzung der EU-„Hochwasserrichtlinie“ vom 23. Oktober 2007 gelegt („Richtlinie 2007/60/EG des europäischen Parlaments und Rates über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken“). (http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2007:288:0027:0034:de:PDF)

Water as a resource
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