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Ökologie

1.3.09 Integriertes Wasserressourcen-Management – Wissenstransfer durch weltweite Vernetzung

Das nachhaltige Management der Wasserressourcen gehört zu den größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. In einem Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung arbeiten Wissenschaftler, Ingenieure und Praktiker an neuen Konzepten für ein „Integriertes Wasserressourcen-Management“ (IWRM). IWRM ist ein Prozess, der das Leitbild der Nachhaltigkeit umsetzt und ökologische, soziale und ökonomische Ziele miteinander verknüpft. Ein wissenschaftliches Begleitprojekt unterstützt die Vernetzung der Akteure.

Die globale und sich zuspitzende Wasserkrise ist allgegenwärtig. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer leiden unter mangelhafter Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung. Etwa jeder sechste Mensch in Asien lebt derzeit ohne zentrale Trinkwasserversorgung, jeder zweite ohne geregelte Abwasserentsorgung. In Afrika sind es vier von zehn Menschen, die ohne gesicherte Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung auskommen müssen. Eine chronische Wasserknappheit ist in vielen semi-ariden und ariden Regionen der Erde ein begrenzender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung. Die rasche Zunahme der Weltbevölkerung und die Folgen des Klima- und Landnutzungswandels werden diese Probleme in Zukunft in globalem Maßstab verschärfen. Insbesondere die Folgen des Klimawandels – Hochwasser, Dürren und Desertifikation etwa – stellen große Herausforderungen an das künftige Wassermanagement.

Grundlagen 1992 gelegt

Zur Lösung der globalen Wasserprobleme werden große Erwartungen an das Konzept des „Integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM)“ gestellt. Die Grundlagen dafür wurden mit den „Dublin-Prinzipien“ und der „Agenda 21“ bereits im Jahr 1992 international als Leitbild verankert, viele internationale Konferenzen haben das IWRM Konzept seitdem bestätigt. IWRM ist ein iterativer, adaptiver und evolutionärer Prozess mit dem Ziel der Maximierung des sozialen und wirtschaftlichen Wohlergehens, ohne dabei die lebenswichtigen Ökosysteme zu beeinträchtigen. Es werden somit ökologische, ökonomische und soziale Ziele miteinander verknüpft. Dabei ist für einen guten Umgang mit Wasser die aktive Teilnahme und Zusammenarbeit der verschiedenen gesellschaftlichen und privaten Akteure bei den Planungs- und Entscheidungsprozessen erforderlich.

Länder und Regionen, in denen das BMBF Projekte zum IWRM fördert

Länder und Regionen, in denen das BMBF Projekte zum IWRM fördert
Länder und Regionen, in denen das BMBF Projekte zum IWRM fördert
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Den IWRM-Ansatz hat die Europäische Union (EU) in Form der Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 eingeführt, sie befindet sich in den EU-Mitgliedstaaten in der Umsetzung. Die Bewirtschaftungszyklen der EU-Wasserrahmenrichtlinie gelten international als vorbildlich. Dieser Rahmen bietet – angepasst an die jeweils örtlichen Gegebenheiten – sehr gute Chancen, auch außerhalb der EU die bestehenden Wasserprobleme zu überwinden.

Förderschwerpunkt seit 2006

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert seit 2006 Projekte zum Integrierten Wasserressourcen-Management, die in Modellregionen außerhalb der EU neue Verfahren und Techniken sowie Managementkonzepte entwickeln und erproben. Das Ziel: In Siedlungsräumen und Flusseinzugsgebieten sollen die Wasserversorgung sowie der Erhalt der Ökosysteme gesichert und durch integrierte, auf vergleichbare Regionen übertragbare Konzepte nachhaltiges Wirtschaften möglich werden. Die daraus hervorgehenden Lösungen sollen zudem deutschen Unternehmen im Wassersektor den Zugang zu neuen Märkten erleichtern. Daher sind Begleitmaßnahmen ein Teil des Förderschwerpunkts, um die Chancen von Infrastrukturinvestitionen durch multilaterale Finanzierungs- und Förderorganisationen zu verbessern.

Ein Junge in Jordanien sucht Wasser (Quelle: André Künzelmann, UFZ)

Ein Junge in Jordanien sucht Wasser (Quelle: André Künzelmann, UFZ)
Ein Junge in Jordanien sucht Wasser (Quelle: André Künzelmann, UFZ)
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Derzeit fördert das BMBF in seinem IWRM-Förderschwerpunkt Forschungsprojekte in China, Indonesien, Iran, Israel-Jordanien-Palästina, der Mongolei, Namibia, Südafrika und Vietnam. Synergien ergeben sich aus den Ergebnissen der Förderschwerpunkte „Globaler Wandel des Wasserkreislaufes“ (GLOWA) und „Forschung für die nachhaltige Entwicklung der Megastädte von morgen“.

Viele Forschungsprojekte und Initiativen arbeiten inzwischen an angepassten IWRM-Konzepten. Eine wichtige Frage ist jedoch, ob sich aus den länderspezifischen Aktivitäten allgemeingültige Grundlagen und Maßstäbe für integrierte Managementansätze ableiten lassen. Dazu ist es erforderlich, dass die beteiligten Wissenschaftler und Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung einen intensiven Dialog über die in den Projekten gemachten Erfahrungen führen – und Schlüsse aus deren Ergebnissen ziehen.

Koordinierungsstelle für die Vernetzung eingerichtet

Um die Vernetzung der Akteure zu unterstützen, hat das BMBF im Jahr 2009 eine Koordinierungsstelle am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ eingerichtet. Die Vernetzungsaktivitäten umfassen viele Akteure aus der Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Nur durch eine Einbeziehung möglichst vieler Akteure wird es möglich sein, nachhaltige Konzepte zu entwickeln und das Integrierte Wasserressourcen-Management als ein intelligentes Managementkonzept zu etablieren.

Ziel dieses Begleitprojekts ist es, den inhaltlichen Dialog zwischen den Akteuren zu verbessern; ferner soll es die IWRM-Fördermaßnahmen – einschließlich des Technologie- und Wissenstransfers – inhaltlich und organisatorisch begleiten, um Synergieeffekte aus den nationalen und internationalen Forschungsaktivitäten zu ziehen.

Das Vernetzungsprojekt hat sich verschiedenen Querschnittsthemen angenommen, die in Workshops und Arbeitsgruppen besprochen und bearbeitet werden. Zu diesen Themen, die eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von IWRM spielen, gehören beispielsweise Capacity Development, Informations- und Datenmanagement, Water Governance, Stakeholder Partizipation, Finanzierungsstrategien und Implementierungskonzepte. Für das Jahr 2011 ist eine internationale Konferenz zum IWRM geplant, bei der Wissenschaftler, Ingenieure, Verwaltung und Unternehmen ihre Erfahrungen und Forschungsergebnisse zum Thema vorstellen und diskutieren.

Projekt-Website www.bmbf.wasserressourcen-management.de

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Department Aquatische Ökosystemanalyse

Dr. Ralf Ibisch
Dipl.-Loek Christian Stärz
Dipl.-Pol. Sabrina Kirschke
Prof. Dr. Dietrich Borchardt
Brückstraße 3a
39114 Magdeburg
Tel.: 03 91/8 10 97 57
Fax: 03 91/8 10 91 11
E-Mail: ralf.ibisch@ufz.de
Internet: www.ufz.de
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