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Ökologie

1.3.04 Modellregion Mongolei – Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wassermanagement

Die Mongolei steht vor großen wasserwirtschaftlichen Herausforderungen. Globaler Wandel, Dürren, großflächige Verschmutzungen aus dem Bergbau und veraltete Infrastrukturen der Wasserver- und -entsorgung führten in den letzten Jahren zu einer dramatischen Verschlechterung der Lebensbedingungen. Die Probleme sind so eng miteinander verflochten, dass nur integrierte Systemlösungen weiterhelfen können. Ein Konsortium aus Wissenschaftlern und Ingenieuren entwickelt nun ein Gesamtkonzept, bei dem Know-how und Technologien aus Deutschland helfen sollen, die Wasservorräte nachhaltig zu bewirtschaften.

In der Mongolei leben etwa drei Millionen Menschen, von denen rund 60 Prozent keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sicherer Abwasserentsorgung haben. In den weiten, trocken-kalten Steppengebieten und den borealen Nadelwäldern Zentralasiens herrschen eine allgemeine Wasserknappheit und ein extrem variables Klima, das jährlich und saisonal starke Schwankungen in der Wasserverfügbarkeit mit sich bringt. Eine schnell wachsende Bevölkerung, die Aufgabe des traditionellen Nomadismus sowie die Ausweitung von Landwirtschaft und Bergbau (v. a. Gold und Kupfer) führen dazu, dass immer mehr Wasser gebraucht wird. Eine Entspannung der Situation ist auch in Zukunft nicht zu erwarten.

Im Verbundprojekt „Integriertes Wasserressourcen- Management in Zentralasien: Modellregion Mongolei“ (MoMo) entwickelt ein Team von Wissenschaftlern innovative Lösungen, um die Menschen nachhaltig mit Wasser zu versorgen. An dem vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Magdeburg koordinierten inter- und transdisziplinären Verbundprojekt sind zahlreiche deutsche und mongolische Kooperationspartner beteiligt.

Verlässliche Datengrundlage notwendig

In den Jahren 2006 bis 2009 schufen die Forscher wesentliche Grundlagen für ein integriertes Wassermanagement für die Stadt Darkhan (ca. 100.000 Einwohner) und das umliegende Flussgebiet des Kharaa im Nordosten der Mongolei. Die neuen Konzepte entwickelten sie in enger Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort. In dieser ersten Phase des Projekts wurden die wesentlichen Komponenten des Wassermanagements untersucht: Klimawandel und Hydrologie, Grundwasser, Landnutzung, Stoffkreisläufe, Ökologie, Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung. Mithilfe von Szenarientechniken leiteten die Wissenschaftler langfristige Strategien für die Bewirtschaftung der Wasserressourcen ab, die zusammen mit den wichtigsten Akteuren vor Ort entwickelt, an die Situation angepasst und justiert wurden. So konnten sie ein sinnvolles Maßnahmenpaket vorschlagen. An der Umsetzung besteht in der Mongolei großes Interesse. Sehr gute institutionelle Rahmenbedingungen dafür wurden mit dem nationalen Wassergesetz von 2004 und der Einrichtung einer nationalen Wasseragentur geschaffen.

Lage des Modellgebietes in der Mongolei (Kartografie: Daniel Karthe)

Lage des Modellgebietes in der Mongolei (Kartografie: Daniel Karthe)
Lage des Modellgebietes in der Mongolei (Kartografie: Daniel Karthe)
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Schritte zur Umsetzung

Seit Beginn der dreijährigen Umsetzungsphase (2010 bis 2013) setzen die Wissenschaftler erste Elemente eines Integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM) um. So werden sie beispielsweise mehrere Pilotkläranlagen aufbauen, um ausgewählte Technologien an die örtlichen Verhältnisse anzupassen. Wissenslücken über den qualitativen und quantitativen Zustand der Wasserressourcen sollen geschlossen und ein umfassendes Umweltüberwachungssystem etabliert werden, das Oberflächenwasser, Grundwasser, Boden, Trink-, Abwasser und Landbedeckung einschließt. Das geplante Monitoring-Netzwerk wird zusammen mit den Umweltbehörden eingerichtet und an die örtlichen Erfordernisse angepasst.

In der Siedlungswasserwirtschaft setzen die Forscher ein integrales Konzept um, das die Einführung standortoptimierter Technologien und Strategien für die relevanten Siedlungsräume umfasst.

Das Einzugsgebiet des Kharaa im Norden der Mongolei (Quelle: Daniel Krätz)

Das Einzugsgebiet des Kharaa im Norden der Mongolei (Quelle: Daniel Krätz)
Das Einzugsgebiet des Kharaa im Norden der Mongolei (Quelle: Daniel Krätz)
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Projektpartner in Deutschland:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig, Magdeburg
Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin
Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik, Ilmenau
Bauhaus-Universität Weimar, Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft, Weimar
Universität Kassel, Wissenschaftliches Zentrum für Umweltsystemforschung
Universität Heidelberg, Geographisches Institut, Heidelberg
p2mberlin GmbH, Berlin
Vista Geowissenschaftliche Fernerkundung GmbH, München
terrestris GmbH & Co. KG, Bonn
Bergmann Clean Abwassertechnik GmbH (BCAT), Penig
Seeconsult Deutschland GmbH, Osnabrück
Passavant-Roediger GmbH, Hanau
GEOFLUX GbR, Halle (Saale)
Projektpartner in der Mongolei:
Auf der nationalen Ebene:
Mongolisches Umweltministerium, Bildungsministerium, Bauministerium, Landwirtschaftsministerium
und Finanzministerium
Nationale Umweltüberwachungsbehörde
Nationale Wasseragentur
Auf der regionalen Ebene:
Provinzregierung des Darkhan Uul Aimag
Regionales Umweltamt, Darkhan Uul Aimag
Meteorologisches Institut von Darkhan
Trink- und Abwasserunternehmen USAG, Darkhan
Wissenschaftliche Institutionen in der Mongolei:
Nationaluniversität der Mongolei, Ulan Bator
Mongolische Universität für Wissenschaft und Technologie, Ulan Bator und Darkhan
Landwirtschaftliche Universität Darkhan
Mongolische Akademie der Wissenschaften
Deutsche Partner in der Mongolei:
Deutsche Botschaft, Ulan Bator
GIZ, Ulan Bator

Partner des Verbundprojekts MoMo

In den suburbanen Jurtensiedlungen versorgen sich die Einwohner an zentralen Wasserkiosken mit Trinkwasser (Quelle: Lena Horlemann)

In den suburbanen Jurtensiedlungen versorgen sich die Einwohner an zentralen Wasserkiosken mit Trinkwasser (Quelle: Lena Horlemann)
In den suburbanen Jurtensiedlungen versorgen sich die Einwohner an zentralen Wasserkiosken mit Trinkwasser (Quelle: Lena Horlemann)
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Dazu gehören der städtische Sektor mit seinen maroden, zentralen Trinkwasser- und Abwasserbehandlungssystemen, die suburbanen Jurtensiedlungen, deren Bewohnern von den Behörden kein Anschluss an zentrale Ver- und Entsorgungssysteme in Aussicht gestellt wird, sowie kleinere Ortschaften auf dem Lande, welche anstelle von Kläranlagen häufig nur über ableitende Schwemmkanalisationssysteme verfügen. Außerdem werden in der zweiten Phase des Projekts die Maßnahmen zum Wissensaufbau (Capacity Development) stark ausgeweitet, um so einen dauerhaften Beitrag zur Verbesserung der Lebensverhältnisse zu leisten und die Eigenverantwortung vor Ort zu stärken.

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Department Aquatische Ökosystemanalyse

Prof. Dr. Dietrich Borchardt
Brückstraße 3a
39114 Magdeburg
Tel.: 03 91/8 10 97 57
Fax: 03 91/8 10 91 11
E-Mail: dietrich.borchardt@ufz.de
Internet: www.iwrm-momo.de
Förderkennzeichen: 033L003
Water as a resource
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Modellregion Mongolei – Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Wassermanagement

„Integriertes Wasserressourcen-Management in Zentralasien: Modellregion Mongolei“ (MoMo)
Integriertes Wassermanagement für die Stadt Darkhan (ca. 100.000 Einwohner) und das umliegende Flussgebiet des Kharaa im Nordosten der Mongolei.
Einbezogen wurden die wesentlichen Komponenten des Wassermanagements: Klimawandel und Hydrologie, Grundwasser, Landnutzung, Stoffkreisläufe, Ökologie, Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung.