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Ökologie

1.3.03 Abwasserentsorgung in vietnamesischen Industriezonen – Ein Fall für ganzheitliche Konzepte

Vietnam gehört zu den aufstrebenden ehemaligen Entwicklungsländern mit starkem Wirtschaftswachstum und rasant zunehmenden Umweltproblemen. Ein Großteil der etwa 300 Industriezonen des Landes kennt keine geregelte Abwasserentsorgung. Es fehlt an moderner Technologie, dem nötigen Know-how und durchsetzungsfähigen Behörden. Klar ist, dass bei dieser komplexen Problemlage nur ein ganzheitlicher Ansatz dauerhaften Erfolg verspricht. Im Rahmen des BMBF-Forschungsvorhabens „Integriertes Abwasserkonzept für Industriezonen“ (AKIZ) entwickeln Forschungseinrichtungen zusammen mit deutschen Unternehmen neue Lösungen – und schaffen damit gleichzeitig einen Zukunftsmarkt für Umwelttechnologie aus Deutschland.

Vietnam erwirtschaftet rund 20 Prozent seiner Exportleistung in staatlich verwalteten Industriezonen. Derzeit gibt es rund 250 registrierte nationale Industriezonen mit mehr als 60.000 Hektar Fläche und zusätzlich 15 Wirtschaftszonen. Rechnet man die auf Bezirks- und Gemeindeebene registrierten Industriezonen hinzu, dürften es sogar weit über 300 sein. 90 weitere sind bis 2015 geplant.

Im Vorfeld des Projekts stellten Experten fest, dass nur rund ein Viertel der untersuchten Industriezonen überhaupt zentrale Kläranlagen aufweist, wovon wiederum nur etwa ein Viertel nach westlichem Verständnis zufriedenstellend arbeitet. Häufig waren vorhandene Anlagen wegen Unterfinanzierung oder mangelnder Wartung außer Betrieb.

Integrierter Ansatz

Mögliche Auswege aus dieser prekären Situation soll ein vom BMBF mit ca. 8 Millionen gefördertes Forschungsvorhaben aufzeigen. In dem „Leuchtturmprojekt“ erarbeiten Wissenschaftler am Beispiel einer Industriezone in der Provinz Can Tho im Mekong-Delta ein integriertes Abwasserkonzept. Es soll unter anderem die Vorgaben für die Arbeit eines Zentralklärwerks liefern. In das AKIZ-Verbundvorhaben sind auf deutscher Seite vier Industriepartner und insgesamt fünf deutsche Hochschulen eingebunden, die mit vietnamesischen Universitäten und Forschungsinstituten zusammenarbeiten. Die Gesamtkoordination liegt beim Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke GmbH (IEEM).

Arbeiter in einer vietnamesischen Pestizid-Fabrik

Arbeiter in einer vietnamesischen Pestizid-Fabrik
Arbeiter in einer vietnamesischen Pestizid-Fabrik
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Das BMBF-Vorhaben wird in Kooperation mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit durchgeführt.

Themenbereich 1 Übergreifendes Management-Konzept/Koordination
Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke GmbH (02WA1060) Hanoi University of Science, National Economics University
Themenbereich 2 Abwasserentgiftung
HST Hydro-Systemtechnik GmbH (02WA1061), Universität Stuttgart (02WA1062), Hanoi University of Science
Themenbereich 3 Energiegewinnung mittels Anaerobbehandlung
Passavant-Roediger GmbH (02WA1063), Leibniz Universität Hannover (02WA1064), Southern Institute of Water Resources Research
Themenbereich 4 Wertstoffrückgewinnung mit Membranfiltration
EnviroChemie GmbH (02WA1065), Technische Universität Darmstadt (02WA1066) Hanoi University of Civil Engineering, Vietnamese-German University
Themenbereich 5 Monitoring mit Konzeptionierung und Betrieb eines Containerlabors
LAR Process Analysers AG (02WA1067), Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke GmbH (02WA1068), Passavant-Roediger GmbH (02WA1063), Vietnam Institute of Industrial Chemistry, Can Tho University
Themenbereich 6 Klärschlamm-Konzept
Technische Universität Braunschweig (02WA1069), Vietnamese Academy of Science and Technology, Institute for Environment and Resources at the Vietnam National University

Themenbereiche und Partner des AKIZ-Verbundvorhabens

Angepasste Lösungen finden

Bevor bewährte Hightech-Lösungen aus den Industrieländern eingesetzt werden können, müssen sie an die speziellen Arbeitsbedingungen und die tropischen Klimaverhältnisse im Projektgebiet angepasst werden. Hierzu setzen die Wissenschaftler Container-Versuchsanlagen deutscher Industriepartner ein und entwickeln sie weiter. Anhand von Beispielunternehmen in der Industriezone Tra Noc werden dezentrale Lösungen zur Abwasservorbehandlung mit quellnaher Entgiftung sowie Energie- und Wertstoffrückgewinnung dargestellt.

In Vietnam – wie auch in vielen anderen Entwicklungs- und Schwellenländern – existieren bislang keine dauerhaft tragfähigen Konzepte für die Beseitigung von Klärschlämmen. Für ihre Entsorgung und Verwertung müssen die Wissenschaftler erst geeignete Konzepte erarbeiten. In den meisten Schwellenländern gibt es Einleitwerte, die teilweise sogar mit westlichen Abwasserstandards vergleichbar sind. Oft enthalten sie jedoch keine Toxizitätsparameter oder werden aufgrund eines erheblichen Vollzugsdefizits nicht umgesetzt. Die Durchsetzung geltender Umweltstandards und Qualitätsanforderungen ist aber eine Grundvoraussetzung für den Einsatz von Hochtechnologien. Hier werden spezifische Schulungen (Capacity-Building ) im Rahmen des AKIZ-Vorhabens ansetzen. Ein neuartiges Monitoring- und Überwachungssystem soll außerdem wichtige Daten liefern, zum einen für die Ermittlung des technologischen Anpassungsbedarfs und zum anderen für die administrative und finanzielle Durchführung der Abwasserreinigung.

Konzepte mit Zukunft

Sämtliche vorgenannte Teilaspekte müssen in ein übergreifendes Managementkonzept einfließen, das den technischen und wirtschaftlichen Betrieb des Abwassersystems in der Industriezone abbildet. Es umfasst die dezentralen Technologieansätze zur Vorbehandlung und das Zentralklärwerk, beginnend beim Überwachungssystem (tropentaugliche Laboreinheit) bis hin zu den Abrechnungs- und Finanzierungsmodellen für eine langfristig tragfähige Abwasserreinigung. Die Übertragbarkeit der Projektergebnisse soll anhand weiterer Industriezonen verifiziert werden.

Ein Abwasserkanal in der Industriezone Tra Noc in Can Tho

Ein Abwasserkanal in der Industriezone Tra Noc in Can Tho
Ein Abwasserkanal in der Industriezone Tra Noc in Can Tho
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Die Lösung der prekären Abwassersituation in vielen Industriezonen von Entwicklungs- und Schwellenländern setzt einen strikt ganzheitlichen Ansatz voraus. Er muss das effiziente Funktionieren des Gesamtsystems mit allen Komponenten technisch, ökonomisch und ökologisch nachhaltig sicherstellen. Das AKIZ-Vorhaben greift die genannten Aspekte integrativ auf und entwickelt basierend auf deutschem Know-how angepasste Lösungsansätze. Vietnam als Schwellenland mit starkem Wirtschaftswachstum und rasant zunehmenden Umweltproblemen wird damit zunehmend auch zu einem Markt für qualitätsorientierte Umwelttechnologien aus Deutschland.

Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke GmbH (IEEM)
Prof. Dr. Dr. Karl-Ulrich Rudolph
Frau Dipl.-Ing Sandra Kreuter
Alfred-Herrhausen-Straße 44
58455 Witten
Tel.: 0 23 02/9 14 01-0
Fax: 0 23 02/9 14 01-11
E-Mail: mail@uni-wh-utm.de
kreuter@uni-wh-utm.de
Internet: www.uni-wh-utm.de

Projektkoordination
AKIZ Project Office

Dipl.-Ing. René Heinrich
Lot 12A, Tra Noc Waterplant, Industrial Zone Tra Noc II
Can Tho City, Vietnam
Tel.: +84/71 03/74 40-03
Fax: +84/71 03/74 40-04
E-Mail: heinrich@uni-wh-utm.de
Internet: www.akiz.de
Förderkennzeichen: 02WA1060 (TP Koordination)
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