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Ökologie

1.3.02 Deutsch-vietnamesische Kooperation – Forschung für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser

Vietnam ist ein Land mit reichhaltigen Wasserressourcen. Ein durchschnittlicher Jahresniederschlag von knapp 2.000 Millimeter und ein dichtes Gewässernetz von 2.360 Flüssen mit einer Länge von über zehn Kilometern sorgen für ein großes Wasserdargebot. Trotz dieser günstigen Bedingungen ist das Wassermanagement in Vietnam eine Herausforderung: Fehlende Infrastruktur, mangelndes Know-how und ein wachsender Wasserverbrauch durch Landwirtschaft und Industrie sind nur einige Aspekte des Problems. Deutsche und vietnamesische Forscher arbeiten in einem Verbundprojekt des BMBF gemeinsam daran, die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Umgang mit den Wasservorräten zu schaffen.

Die Verteilung der Niederschläge und Gewässer ist in Vietnam regional sehr unterschiedlich. Ausgedehnte Trockenzeiten verursachen in bestimmten Gebieten temporäre Versorgungsprobleme. Außerdem ist Vietnam großenteils ein „Unterstromland“, das heißt, die Flüsse haben bereits einen weiten Weg hinter sich, bevor sie durch Vietnam fließen. So hängen beispielsweise Menge und Güte der Wasserressourcen aus dem Mekong und dem Roten Fluss stark von den Nutzungen an den Flussoberläufen in den Nachbarländern ab. Hinzu kommt, dass die nötige Infrastruktur, beispielsweise für Wasserversorgung, Abwasserbehandlung oder den Hochwasserschutz nicht flächendeckend ausgebaut ist. Gleichzeitig führt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes mit einer fortschreitenden Urbanisierung, Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft zu einem steigenden Wasserverbrauch und folglich zu wachsenden Abwassermengen. Angesichts dieser Herausforderungen sind die Behörden derzeit nicht ausreichend in der Lage, ein effektives Wassermanagement umzusetzen.

Das Red-River-Delta in der vietnamesischen Provinz Nam Dinh

Das Red-River-Delta in der vietnamesischen Provinz Nam Dinh
Das Red-River-Delta in der vietnamesischen Provinz Nam Dinh
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Voraussetzung für die Lösung der wasserbezogenen Probleme in Vietnam ist ein sorgfältiges Management der Wasserressourcen. Technische, juristische und soziale Instrumente müssen entwickelt und Maßnahmenkonzepte für die jeweiligen Flusseinzugsgebiete implementiert werden. Diese Aktivitäten sollen die teilweise widersprüchlichen Anforderungen an die Wasserversorgung harmonisieren und sie nachhaltig gestalten. Mehrere vom BMBF geförderte Projekte unter dem Sammeltitel „IWRM-Vietnam“ unterstützen diesen Prozess in drei repräsentativen, vietnamesischen Beispielgebieten, die sich durch verschiedene naturräumliche, sozioökonomische und ökologische Charakteristika auszeichnen:

  • Red-River-Delta, Provinz Nam Dinh: Neben der intensiven Landwirtschaft stellen die Abwässer aus Textilindustrie, Metallverarbeitung und Aquakultur die wichtigsten Herausforderungen für ein Integriertes Wasserressourcen- Management (IWRM) dar. Darüber hinaus wird das Süßwasser durch übermäßige Grundwasserentnahme und Überflutungen zunehmend von Meerwasser verdrängt (Salzwasserintrusion).
  • Dong-Nai-Einzugsgebiet, Provinz Lam Dong, Gemeinde Hoa Bac: Durch intensiven Kaffee- und Teeanbau gelangen große Mengen an Düngemitteln und Pestiziden in jene Gewässer, die über 9.000 Menschen mit Wasser für den täglichen Bedarf versorgen sollen.
  • Mekong-Delta, Provinz Can Tho: Zentrale Probleme sind hier die Mängel bei der Wasserversorgung, Probleme durch Hochwasserereignisse und Einträge aus der Intensivtierhaltung.

Unter der Leitung des Lehrstuhls für Umwelttechnik und Ökologie im Bauwesen der Universität Bochum kooperieren in dem Verbundprojekt "IWRM Vietnam" die Universitäten Bonn und Greifswald mit einem Netzwerk aus deutschen und vietnamesischen Partnern in Universitäten, Forschungsinstituten, Behörden und Firmen. Die Wissenschaftler entwickeln Methoden zur Umsetzung eines Integrierten Wasserressourcen- Managements für Flusseinzugsgebiete in Vietnam. Folgende Ergebnisse haben sie bisher auf zwei Planungsebenen erzielt:

Lage der drei Projektgebiete

Lage der drei Projektgebiete
Lage der drei Projektgebiete
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Flusseinzugsgebietsebene: Instrumente für Planungs- und Entscheidungsunterstützung

Es wurden Instrumente entwickelt, die helfen sollen, eine nachhaltige Wassermengenwirtschaft aufzubauen und die Risiken für die Wasserqualität zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Eines der Ergebnisse ist ein Planungsatlas für das Integrierte Wasserressourcen-Management.

In den oben genannten Beispielgebieten haben die Wissenschaftler die Wasserressourcen sowie die aktuelle ökonomische, soziale und ökologische Situation für das jeweilige Einzugsgebiet untersucht. Das Ziel war, aktuelle und zukünftige Nutzungskonflikte und wasserwirtschaftliche Problembereiche aufzudecken. Die Untersuchungsergebnisse sollen die Entscheidungsträger künftig dabei unterstützen, Maßnahmen zur nachhaltigen Wassermengenwirtschaft und zum Schutz der Wasserressourcen vor Verunreinigungen durchzusetzen. Die Instrumente wurden in enger Zusammenarbeit mit den vietnamesischen Behörden entwickelt und in den drei Beispielgebieten getestet.

Lokale Ebene: Umwelttechnologie

Die Experten haben für die drei Projektregionen auch technische und konzeptionelle Lösungen für spezielle wasserwirtschaftliche Probleme auf lokaler Ebene entwickelt. Dabei wurden auch deutsche Umwelttechnologien an lokale Bedingungen angepasst und eingesetzt.

Für die Provinz Can Tho haben die Wissenschaftler ein Instrument entwickelt, das die Nährstoffe in den Gewässern des Mekong-Deltas reduzieren soll. Hierzu wurde ein webbasiertes Geoinformationssystem (GIS) zur Überwachung der Wasserqualität aufgebaut. Die Forscher entwickelten außerdem Lösungen zur Aufbereitung landwirtschaftlicher Abwässer.

In der Provinz Lam Dong konzipierten die Forscher ein zentrales Wasserversorgungssystem. Hier ging es darum, konträre Interessen innerhalb einer ländlichen Gemeinde auszugleichen. Eine besondere Rolle spielte dabei die Beeinträchtigung der Wasserqualität durch die Landwirtschaft. Die gewonnenen Erfahrungen fließen in die Entwicklung eines IWRM-Systems im Provinzmaßstab ein.

In der Provinz Nam Dinh haben die Wissenschaftler Konzepte für die Behandlung von Siedlungs- und Industrieabwässern entwickelt. Sie sind exemplarisch für eine mögliche Lösung der dortigen wasserwirtschaftlichen Probleme.

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist das sogenannte Capacity-Development. Dazu gehören Schulungen für die vietnamesischen Partner aus Umweltverwaltung und Forschung, Masterarbeiten, gemeinsame Forschungsaktivitäten, Workshops und Konferenzen.

Weiterhin Kooperationsbedarf

Die vietnamesische Regierung hat die Bedeutung eines Integrierten Wasserressourcen-Managements erkannt und arbeitet daran, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Jene Institutionen, die das IWRM vor Ort umsetzen müssen, werden gestärkt – zunächst in den Flusseinzugsgebieten mit den größten wasserwirtschaftlichen Problemen. Wegen der vielfältigen Herausforderungen benötigt die vietnamesische Regierung weiterhin Unterstützung, beispielsweise bei der Entwicklung von Planungsinstrumenten, Monitoringstrategien oder Abwasserreinigungsverfahren und auch bei der Stärkung der Umweltverwaltung und der Ausbildung des Personals. Bezüglich IWRM besteht daher weiterhin eine große Nachfrage nach einer wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit zwischen Vietnam und Deutschland.

Universität Bochum
Fakultät Bau- und Umweltingenieurwesen
U+Ö Umwelttechnik und Ökologie im Bauwesen

Prof. Dr. Harro Stolpe
Universitätsstraße 150
44801 Bochum
Tel.: 02 34/3 22-79 95
E-Mail: harro.stolpe@rub.de
Förderkennzeichen: 02WM0815
  • Teilprojekte Ruhr Universität Bochum, U+Ö (FKZ 02WM0815, FZKWM0816)
  • Teilprojekt Universität Bonn, INRES (FKZ 02WM0760)
  • Teilprojekt Universität Greifswald, IGG (FKZ 02WM0765)
  • Teilprojekt iaks GmbH (FKZ 02WM0766)
  • Teilprojekt Fraunhofer Institut (FKZ 02WM0767)
  • Teilprojekte Moskito GIS GmbH (FKZ 02WM0762, 02WM0769)
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